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Unbesiegbar mit Spinat: Ob Popeye auch von Chia und Gojibeeren wusste? Foto: [martin]/flickr (CC-BY-NC-ND 2.0)

“Superfood” – diesen Begriff können eigentlich nur die Amerikaner erfunden haben. Unter Veggies, Rohköstlern und dergleichen gehört er zum Standardvokabular, außerhalb der “Szene” kennen ihn vermutlich nur die eifrigsten TV-Zeitschriften-Leser (“Essen Sie diese fünf Superfoods gegen Krebs!”).

Brauchen wir wirklich eine Steigerungsform für Essen? “Über-Essen” also, wenn man es wörtlich nimmt? Um ehrlich zu sein: ein bisschen unbehaglich ist mir bei dem Gedanken schon.

Die Idee der Superfoods harmoniert dabei ganz hervorragend mit einem Hype, der von zahlreichen Vegan-Protagonisten wie Attila Hildmann, Kris Carr (Crazy Sexy Diet) oder dem Duo Freedman/Barnouin (Skinny Bitch) befeuert wird: Iss Pflanzen und du wirst megasportlich und gesund sein. Ein Über-Mensch durch Über-Essen.

Das Problem dabei ist, dass dieser Schuss auch ziemlich nach hinten losgehen kann – gerade wenn unser omnivorer Gesprächspartner etwas vom Argumentieren versteht. Er könnte dann zum Beispiel sagen “Haile Gebrselassie und Usain Bolt essen Fleisch, also steigert Fleisch die Leistungsfähigkeit.” Und hätte uns mit unseren eigenen Waffen geschlagen.

Superfoods: Mehr als Marketing?

Ist also in Wahrheit gar nichts dran an Chia, Goji und Co.? Ja – und Nein: Es kommt wie so häufig auf die Perspektive an. Kein Superfood der Welt wird dein Fett schmelzen lassen, dich zum Spitzensportler machen oder deinen Krebs heilen.

Andererseits wäre es aber natürlich unsinnig zu behaupten, alle Lebensmittel seien gleich. Dass eine Scheibe Leberkäse weniger “super” ist als eine Schale Heidelbeeren ist wohl offensichtlich. Was also macht ein Superfood aus? In welchem Sinne könnten wir unser kritisches Auge zudrücken und ein Lebensmittel als “super” bezeichnen?

Ein interessanter Ansatz hierzu kommt von Brendan Brazier, einem vegan lebenden ehemaligen Spitzensportler aus Kanada. Seine Theorie: Heißhungerattacken, sogenannte “Cravings”, werden nicht von einem Kalorien-, sondern von einem Nährstoffmangel hervorgerufen.

Superfoods sind demnach Lebensmittel mit einem besonders hohen Gehalt an Mikronährstoffen (Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen, sekundären Pflanzenstoffen) pro Kilokalorie (in Form von Fetten, Kohlenhydraten und Eiweißen) – Brazier spricht von einer hohen “Nährstoffdichte”. Wer solche Lebensmittel esse, so Brazier, der stille den Nährstoffbedarf seines Körpers, ohne dabei zu viele (d.h. nicht benötigte) Kalorien zu sich zu nehmen.

Sparsame Nährstoffpakete

So weit so gut. Brazier führt aber – und hier wird es beinahe schon raffiniert – noch ein zweites Superfood-Kriterium ein: das Verhältnis der in einem Lebensmittel enthaltenen Mikronährstoffe zur Menge der Ressourcen, die zu seiner Herstellung verbraucht werden (Wasser, Kulturboden, fossile Brennstoffe).

Cover Thrive foods von Brendan Brazier

Brendan Brazier entwickelt in “Thrive foods” seine eigene Definition von Superfoods

Und in diesem “Nährstoffdichte-zu-Ressourcenverbrauch”-Ranking liegen interessanterweise zahlreiche Lebensmittel vorne, die zwar bekanntermaßen “gesund” sind, aber normalerweise nicht als Superfoods bezeichnen werden: Leinsamen, Ingwer, Hanf (als Samen, Pulver oder Öl), Grünkohl, Brokkoli und Spinat (und andere dunkelgrüne Gemüse), Quinoa, Mandeln, Macadamia- und Walnüsse, Kürbis- und Sonnenblumenkerne – um nur einige zu nennen.

Schon eher dem allgemeinen Bild von Superfoods entsprechen die Lebensmittel, die Brazier als “Next Level Foods” bezeichnet – Exoten wie Kombucha, Sacha Inchi, Palmnektar, Acai-Beeren, Chlorella, Kokosnusswasser, Maca, Chia und Mate, die nährstofftechnisch (und auch hinsichtlich ihres Preises) in einer eigenen Liga spielen.

Löblicherweise stellt Brazier klar, dass diese “Superfoods” zwar einen “boost of nutrition in concentrated form” böten, jedoch für eine gesunde Lebensführung nicht essenziell seien.

Ich kann mich dieser Definition von “Superfoods” mit gutem Gewissen anschließen: nährstoffreiche, ressourcenschonend hergestellte Lebensmittel, mit denen man seinen Speiseplan sinnvoll bereichern kann – die aber eben auch keine Allheilmittel sind. Wer sich den Superfoods mit einer gesunden Portion Skepsis nähert und ein wenig Eigenrecherche betreibt kann das blumige Marketingsprech aufs Wesentliche reduzieren und dann selbst entscheiden, was davon er sich leisten möchte und was nicht.

Goji, Acai, Hanf – drei Superfoods im Detail

Um die Sache abzurunden schauen wir uns abschließend drei prominente “Superfoods” etwas genauer an: Goji-Beeren, Hanf-Protein und Acai-Pulver. Die Produkte wurden uns vom Online-Shop PlanetBio zur Verfügung gestellt, der seit einigen Wochen auch nach Deutschland versendet und eine breite Palette bio-zertifizierter, veganer “Superfoods” anbietet.

Gojibeeren, auch Wolfsbeeren genannt, sind die Früchte des Gemeinen Bocksdorns. In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) gilt Goji aufgrund des sehr hohen Gehalts an Antioxidantien als “Jungbrunnen”. Gojibeeren enthalten eine ganze Reihe von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen in nennenswerter Menge, darunter Vitamin C, Vitamin B1, Calzium und Eisen. Sie bieten sich pur als kleiner Snack für Zwischendurch oder als Beigabe in Müslis, Kuchen und Broten an.

Gojibeeren, Hanfprotein und Acai-Pulver

Gojibeeren, Hanfprotein und Acai-Pulver – diese drei Superfoods hat uns PlanetBio zum Ausprobieren zur Verfügung gestellt

Hanfproteinpulver gilt als DAS pflanzliche Protein schlechthin, da es ein “komplettes” Protein ist, also alle zehn essenziellen (vom Körper nicht selbst herstellbaren) Aminosäuren enthält. Der Fettanteil liegt bei etwa 12 Prozent, zum größten Teil Omega-3 und Omega-6 in einem wünschenswerten Verhältnis von 1:3. Aufgrund des hohen Ballaststoffgehalts von 20 Prozent ist Hanfprotein zudem recht sättigend. Und als wäre das noch nicht genug des Guten ist Hanf auch noch reich an Antioxidantien, Calzium, Eisen, Phosphor, Magnesium und Natrium.

Wir mixen Hanfproteinpulver zum Beispiel mit einer Banane, Erdnüssen und Sojamilch zu einem eiweiß- und kohlenhydratreichen Shake – ein idealer (und leckerer) Regenerationsdrink nach harten Trainingseinheiten! Auch Hanfsamen im unverarbeiteten Zustand sind als “Superfood” erhältlich und können zum Beispiel als knackige Zutat in Müslis oder Smoothies verwendet werden.

Acai-Beeren sind die purpurnen Früchte der südamerikanischen Kohlpalme. Die Beeren haben einen hohen Gehalt an Kalium, B-Vitaminen, Vitamin C, Vitamin E und einen von kaum einer anderen Frucht übertroffenen Gehalt an Antioxidantien. Auch essenzielle Fettsäuren und Aminosäuren gehören zum Nährstoffspektrum der Acai-Beere.
Um aus den Beeren ein Pulver herzustellen werden sie zunächst gefriergetrocknet (lyophilisiert) und anschließend vermahlen. Mit dem Pulver lassen sich zum Beispiel Smoothies, Sojajoghurt oder Müslis bereichern.

Hand aufs Herz: Superfoods machen uns Spaß – auch wenn wir wissen, dass sie uns wohl weder schneller machen noch später altern lassen. Was haltet ihr von der Idee der “Superfoods”? Und was sind eure persönlichen Superfood-Favoriten?

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14 Kommentare

  1. Lisa sagt:

    Toll, dass ihr das so kritisch bewertet und nicht blind daher plappert, dass Superfoods Leben retten oder ähnliches…
    Ich sehe es ähnlich wie ihr, die Beschreibungen klingen verlockend, aber welches Produkt wird schon nicht verlockend beworben?
    Es kann mit Sicherheit nicht schaden, ab und zu solche Produkte zu konsumieren, aber man sollte keine Wunder erwarten, sondern diese Superfoods einfach als gesundes “Add-on” sehen.
    So, mein Chiabrei wartet jetzt auf mich ;)

    Liebe Grüße
    Lisa

    • Daniel sagt:

      Hi Lisa, “Add-on” ist eine treffende Beschreibung! Es macht mir wirklich Spaß, mir ab und zu mal solche Lebensmittel zu gönnen (Chia ist bei uns IMMER im Haus :-) ) – aber es stört mich eben auch, dass sie oft so skrupellos als Allheilmittel beworben werden, meist ohne dass das wissenschaftlich belegt wäre. Ich denke, dass Äpfel, Erdbeeren usw. bloß deshalb nicht als Superfoods angepriesen werden, weil man dafür keinen so hohen Preis verlangen kann…

  2. Ulli sagt:

    danke für den tollen bericht!! da ernähr ich mich ja eh schon total “super” wies ausschaut!! ;-)

  3. Mimi sagt:

    Hi ihr Lieben,
    sehr interesssanter Post! Ich habe mir auch schon einige Male Gedanken, um superfoods gemacht und denke schon, dass viele Sachen eher ein Hype sind, manche aber auch wirklich überdurchschnittlich tolle Nährstoffe bieten.
    Wie Du schon sagst: Jünger und schneller machen sie wahrscheinlich nicht, aber manche können vielleicht trotzdem eine nette Ergänzung oder Alternative sein. Ich finde das Hanfproteinpulver zum Beispiel sehr interessant, da es wirklich eindeutig schwieriger ist, als Vegetarier oder Veganer genügend gesunde verschiedene Eiweißquellen zu sich zu nehmen. Da kann das im Smoothie eine kleine schöne Ergänzung sein….

    Aber am Ende denke ich trotzdem, dass beste Superfood kann immer noch ein einfacher Apfel sein, den man vom Baum pflückt ;) )

    • Daniel sagt:

      Hi Mimi, das Hanfprotein ist unter den drei Produkten die wir testen konnten auch mein Favorit und ich denke, dass wir uns in Zukunft ab und an mal eine Packung gönnen werden. In Smoothies ist es wirklich toll, weil es einen schönen, leicht erdigen Geschmack hat. Und deinen letzten Satz unterschreibe ich sofort :-)

  4. Homeveganer sagt:

    Schöner Artikel! Man sagt immer, auch das Auge isst mit. Ich denke, auch die Psyche isst mit. Wenn man sich hin und wieder was gönnt, was als Superfood angepriesen wird, fühlt man sich auch besser und wenn es nur ein positiver Placeboeffekt ist ;)

    Man sollte sich nicht von solchen Sachen abhängig machen, aber die immer wieder mal in den Speiseplan einbauen. Das bringt Abwechslung auf den Teller und eventuell doch den ein oder anderen Vitalstoff, der sonst vernachlässigt wird. Es lebe die Vielfalt!

    PS: Ich hole mir z.B. öfter Hanfsamen, weil die ein tolles Aroma in meine Haferflockenpampe bringen :)

    • Daniel sagt:

      Da stimme ich dir zu! Hanfsamen haben wir inzwischen auch immer im Schrank, die sind so schön knusprig :-) Und das mit dem Placeboeffekt ist ein guter Punkt… aber lass uns nicht weiter darüber nachdenken, sonst wirkt er nicht mehr ;-)

  5. calceola sagt:

    klassisch sagt man dann wohl, die Menge macht das Gift (die Wirkung) nur Hanf-Protein ist dann auch nicht die Lösung…

    Genau so wenig hilft es der Gesundheit oder der Kondition, wenn man dabei dann 40 Zigaretten am Tag raucht (klar natürlich “reine” Zigaretten aus coolem Tabak). Es ist immer eine gesunde Mischung und bei jemandem der rund herum gesund und fit lebt geben die Superfoods sicher noch einmal einen Kick. Aber sie sind kein Alibi. Aber das steht da ja auch irgendwie drin

  6. Ich halte das genauso. Ich liebe Superfoods, aber ob es nun etwas bringt sei mal dahin gestellt. Wer sich dadurch besser fühlt, hat schon viel an Lebensqualität gewonnen. Manchen Menschen kann man förmlich ansehen das sie sich gut ernähren, andern auch: durch fahle Haut usw.
    Deswegen bringt es schon etwas, auch mir als “manchmal” Fleischfresser.

    Übrigens völlig Vegan: http://www.tapas-rezept.com/451/rezept-birne-in-cidre-safran-sud-mariniert/

    Liebe Grüße vom Tapas-Blog,
    Dirk

    • Daniel sagt:

      Hallo Dirk, so ist es wohl: wenn man Spaß daran hat, “Superfoods” zu essen, und sich dabei wohl fühlt, dann hat sich die Investition gelohnt. Danke auch für den Dessert-Tipp, Katrin ist ein großer Tapas-Fan und vielleicht komme ich ja auch noch auf den Geschmack :-)

  7. Hallo ihr zwei,

    das ist ein toller Artikel! Diese Superfoods begegnen einem wirklich an jeder Ecke, wenn man sich im amerikanischen Healthumfeld umschaut. Schön, dass ihr das thematisiert habt!
    Besonders interessant finde ich das Hanfprotein…ich bin schon länger auf der Suche danach und weiß jetzt zumindest wo ich suchen kann! Wenn ihr mal einen direkten Bericht darüber machen könntet mit versch. Rezeptvorschlägen würde ich mich sehr freuen!

    Liebe Grüße
    sue

  8. Stefan Eitel sagt:

    Hallo ihr,
    sehr gut recherchierter Bericht. Ich bevorzuge Chia-Samen und Beeren. Die Gojibeeren sind relativ teuer, Himbeeren, Brombeeren und Heidelbeeren sind auch gut!
    Die Hanfsamen werde ich demnächst auch mal ausprobieren.
    Danke für den Tipp!
    Sportliche Grüße
    Stefan von http://www.sport-mit-stefan.de

  9. Din sagt:

    Ich kann mich den anderen Kommentaren nur anschließen – die Vielfalt ist mit Sicherheit entscheidend, denn täglich immer wieder nur das eine zu essen, macht wenig Sinn.

    Ich muss aber zugeben, dass sogenanntes Superfood bei mir einige Gläschen im Speiseschrank einnehmen. Das aber schon lange bevor es den Namen Superfood bekam. Ich finde das alles einfach lecker und die Variationen von einem Müsli, Haferbrei oder anderen Mahlzeiten ist einfach unendlich. Gerade im Winter, wenn das Saisonale etwas weniger her gibt, bemühe ich meine getrockneten Beeren und Pulver.

    Hanfprotein finde ich – nunja – sagen wir mal mittelmäßig bescheiden, aber im Smoothie geht das wohl noch einmal durch. Genauso seltsam finde ich Maca Pulver und ganz unglaublich scheußlich Spirulina und Chlorella. Geht aber ganz gut in Shakes und weil ich da einfach mal an die positive Wirkung glaube, kommen ein paar Löffelchen ab und an mit rein.

  10. [...] Hier findet ihr übrigens einen tollen Artikel über Superfood. [...]

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